Joseph Bédier

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Lebte 1864–1938, im Alter von 74France
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  • Epoche
    1864–1938
    Alter 74
  • Auszeichnungen
    9
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Zusammenfassung
Aktualisiert 21.06.2026

Charles Marie Joseph Bédier (* 28. Januar 1864 in Paris; † 29. August 1938 in Le Grand-Serre) war als französischer Romanist und Literaturhistoriker auf altfranzösische Literatur spezialisiert. Bédier lehrte mittelalterliche französische Literatur 1889–1891 an der Universität Freiburg (Schweiz) und ca. 1903 am Collège de France in Paris. In seinem bekanntesten Werk Les légendes épiques erklärt er das Entstehen der Heldenepen mit den Örtlichkeiten der Pilgerwege (»Pilgerstraßen-Theorie«). Zu seiner 1900 erschienenen Prosa-Fassung des Tristan-Stoffes heißt es im Klappentext der deutschsprachigen Ausgabe des Insel-Verlags Leipzig, Der Roman von Tristan und Isolde (1974): „…versucht, aus den vielfachen französischen und deutschen Überlieferungen, treulich vor allem aber dem altfranzösischen Fragment des Béroul (um 1190) folgend, diese Liebesgeschichte für den Leser unseres Jahrhunderts zu rekonstruieren, wobei er sich bemühte, jegliche Verquickung des Alten mit Modernem zu vermeiden.“ In dem „Anmerkung“ überschriebenen Nachwort zu der erstmals 1911 erschienenen Übersetzung Rudolf G. Bindings ist zu lesen: »Ich habe in diesem Buch versucht, jegliche Vermischung des Alten und Modernen zu vermeiden. Die Unstimmigkeiten, die Anachronismen, die falschen Ausschmückungen auszumerzen, das vetusta scribenti nescio quo pacto antiquus fit animus wahrzumachen, kraft meiner historischen und kritischen Wahrheitsliebe über mich selbst Herr zu werden, niemals unsere modernen Auffassungen mit den alten Formen des Denkens und Fühlens zu vermengen: Das war mein Vorwurf, meine Arbeit und, ohne Zweifel, ach! meine Chimäre. Mein Text aber ist weither zusammengekommen, und wenn ich meine Quellen im einzelnen angeben wollte, müßte ich an den Fuß der Seiten eine solche Menge von Noten setzen, daß sie das kleine Buch belasteten und überwucherten. Doch schulde ich dem Leser zum mindesten diesen Nachweis in großen Zügen...« Arthur Schurig (Philologe) bemerkt dazu in seinem 1923 erschienen Roman von Tristan und Isolde in der bretonischen Urgestalt: „In der Tat, dem Tristan Bédiers haftet das eigentümliche Parfüm des zwölften Jahrhunderts, herübergeholt aus Berol, Thomas, Eilhart und Gottfried, stark an; eine Rekonstruktion aber des verlorenen Ur-Tristans ist sein gelehrter Versuch keineswegs. Der von Marke ertappte Tristan winselt (Bédier, S. 79): Gewährt mir Gnade, Herr! Im Namen Gottes, der am Kreuze starb, Herr, Gnade für uns! Dann (S. 139) schwört Isolde auf die Gebeine von christlichen Heiligen. Und dem Einsiedler Ugrim (S. 117) sinkt sie, von Schmerz bewegt, zu Füßen. Das sind frömmlerische Zutaten des zwölften Jahrhunderts. Die Spielleute und Dichter, die zweihundert Jahre zuvor den alten bretonischen Roman mündlich oder schriftlich verbreiteten, haben die beiden Gestalten unbedingt anders gesehen und hingestellt. Noch bestanden die heidnischen Elemente der Sage unverwischt und ungetilgt. Unecht auch ist alles, was die höfische Weltanschauung des zwölften Jahrhunderts eingefügt hat. Das Rittertum der Wikingerzeit oder gar unter den Merowingern war erheblich urwüchsiger und grausamer als zur Zeit der ersten Kreuzzüge.“ Zu Bédiers Schülerinnen gehörte wahrscheinlich die Historikerin Mathilde Laigle. Ab 1913 war Bédier auswärtiges Mitglied der Königlich Dänischen Akademie der Wissenschaften und ab 1920 Mitglied der Académie française. 1924 wurde er in die Accademia Nazionale dei Lincei und 1929 in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. 1937 wurde er in die American Philosophical Society aufgenommen.

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