Pudens

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Zusammenfassung
Aktualisiert 18.08.2026

Pudens ist ein legendarischer stadtrömischer Heiliger. Kern der Legendenbildung ist die im ausgehenden 4. Jahrhundert erbaute Kirche Santa Pudenziana. Diese Kirche wurde zunächst als titulus Pudentis oder titulus Pudentiana bezeichnet, im frühen 5. Jahrhundert auch als ecclesia Pudentiana. Pudentiana lässt sich als vom Personennamen Pudens abgeleitetes Adjektiv verstehen. Ein Pudens war demnach Stifter des Baus; historische Nachrichten über ihn gibt es nicht. Beim Kirchenbau wurden Ziegel aus der im 2. Jahrhundert aktiven Werkstatt eines Q. Servilius Pudens verwendet. Da sich Ziegel aus dieser Werkstatt bei mehreren römischen Bauwerken finden, ist dies nicht signifikant. Auch dass Martial in seinen Epigrammen unter vielen anderen Personennamen mehrfach einen Pudens erwähnt, trägt wegen der Häufigkeit des Namens für die Biografie eines Christen Pudens nichts aus. Die um 500 verfassten Acta sanctarum Pudentianae et Praxedis bestehen aus dem Brief eines stadtrömischen Klerikers namens Pastor an den im Neuen Testament erwähnten Paulusmitarbeiter Timotheus, dem Antwortbrief des Timotheus und einem angehängten Bericht des Pastor. Nun wurde der Stifter Pudens (4. Jahrhundert) mit dem in 2 Tim 4,21 erwähnten Pudens (falls historisch: 1. Jahrhundert) identifiziert. Dem Brief Pastors zufolge war Pudens’ Ehefrau in der Regierungszeit des Antoninus Pius den Märtyrertod gestorben, und der Witwer stellte danach sein Haus im vicus Patricius für den christlichen Gottesdienst zur Verfügung. Bereits Pudens’ Vater namens Punicus Pudens sei zum Christentum konvertiert und habe dem Apostel Petrus bei dessen Romaufenthalt Quartier geboten. Der jüngere Pudens hatte zwei Töchter namens Pudentiana und Praxedis. Sie lebten als Jungfrauen in ihrem nun zur Gottesdienststätte umgewandelten Elternhaus; nach dem Tod ihres Vaters vermachten sie ihren ganzen Besitz der Kirche. Der römische Bischof Pius I., ein Freund der Familie, soll den Einbau eines Baptisteriums veranlasst haben. Praxedis überlebte Pudentiana und ließ die Thermenanlage eines gewissen Novatus, die die Schwestern geerbt hatten, zur Kirche umbauen und durch Bischof Pius weihen. Während einer Christenverfolgung starb sie als Märtyrerin. Pastor bestattete sie neben ihrem Vater Pudens in einer von ihrer Großmutter Priscilla gegründeten Grabanlage. Soweit die Acta sanctarum Pudentianae et Praxedis mit ihren für das hagiographische Genre typischen historischen Unstimmigkeiten. Häufig wird als Tendenz vermutet, dass der Verfasser in den Auseinandersetzungen des ausgehenden 5. Jahrhunderts für die Rolle vornehmer Laien als Kirchengründer gegen bischöfliche Ansprüche Partei ergriff; alternativ kann es sich auch um ein Gemeinschaftswerk der Kleriker an Santa Pudenziana und Santa Prassede handeln, das diese beiden frühchristlichen Kirchen in enge Verbindung bringen und durch Bezüge zu den Aposteln Petrus und Paulus auszeichnen wollte. Im frühen Mittelalter wurde Pudens in den Acta Sanctorum (zum Monat Mai) zum römischen Senator erklärt, der Quartiergeber für Petrus und Paulus gewesen sei. Seine Heiligenlegende bezog neben Praxedus und Pudentiana auch die Paulusmitarbeiterin Prisca, einen im 4. Jahrhundert bezeugten stadtrömischen Priester Theophilus sowie Novatus und Bischof Pius in die Familiengeschichte ein. Da Martial in zwei Epigrammen einen Pudens erwähnte, dessen Ehefrau eine Britin Claudia gewesen sei, wurde dieses Paar in der weiteren Legendenentwicklung mit den 2 Tim 4,21 erwähnten gleichnamigen stadtrömischen Christen identifiziert, hinzu kam die Legende, Claudia sei Tochter eines englischen Königs gewesen. So ist laut Alfons Weiser „aufgrund rein äußerlicher Parallelität der Namen Pude[n]s und Claudia, wie sie bei Martialis und in 2Tim vorlegt, in legendenhafter Ausgestaltung ein Eheverhältnis geworden. Zur historischen Erhellung trägt dies nichts bei …“ Der Gedenktag des heiligen Pudens ist der 19. Mai (römisch-katholisch). In den orthodoxen Kirchen gilt Pudens als Apostel und einer der Siebzig Jünger; sein Gedenktag ist der 15. April oder der 7. Januar.

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